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Ihr Baby schreit und schreit: ein Plan für die schwersten Momente

Schreien ist die Sprache Ihres Babys, und in den ersten Monaten gehört viel davon dazu. Wenn es nicht aufhört, fühlen sich auch liebevolle Eltern hilflos. Hier steht, was hilft und was Sie tun, wenn Sie nicht mehr können.

Aktualisiert am 13. Oktober 2026 · Quellen geprüft am 13. Oktober 2026

Kurz gesagt

In den ersten Monaten ist Schreien normal: Es nimmt meist bis etwa zur sechsten Woche zu und wird danach kürzer. Babys schreien aus Hunger, Müdigkeit, wegen der Windel oder weil sie Nähe brauchen. Reagieren Sie rasch, das verwöhnt nicht. Wird es Ihnen zu viel, legen Sie Ihr Baby sicher ab und gehen Sie kurz hinaus. Niemals schütteln. Hilfe gibt es beim Elterntelefon 0800 111 0 550.

Warum Babys schreien

Schreien ist in den ersten Monaten das wichtigste Ausdrucksmittel Ihres Babys. Nach kindergesundheit-info.de schreit ein Baby in den ersten drei Monaten meist,

  • weil es Hunger hat,
  • weil es müde ist und nicht zur Ruhe findet,
  • weil es eine frische Windel braucht,
  • weil es Nähe und Zuwendung möchte,
  • weil es überreizt ist oder tagsüber zu wenig Schlaf bekommt,
  • manchmal, weil es sich körperlich unwohl fühlt,
  • und manchmal ohne erkennbaren Grund.

Nach einigen Wochen werden Sie wahrscheinlich Hunger-, Müdigkeits- und Zuwendungsschreien unterscheiden können.

Wie viel Schreien ist normal?

In den ersten drei Lebenswochen schreien viele Babys noch relativ wenig. Dann nimmt das Schreien meist zu und erreicht laut kindergesundheit-info.de oft um die sechste Lebenswoche seinen Höhepunkt; danach werden die Phasen kürzer, bis sie nach etwa drei Monaten fast oder ganz verschwinden. Schreiphasen beginnen meist nachmittags oder am frühen Abend.

Eine Meta-Analyse mit 8 690 Babys fand im Mittel knapp zwei Stunden Quengeln und Schreien pro Tag in den ersten sechs Wochen, mit 10 bis 12 Wochen etwa eine Stunde (Wolke und Kollegen, 2017). Einen festen Gipfel genau in Woche 6 gab es dort nicht: Jedes Baby hat seine eigene Kurve.

Von exzessivem Schreien (umgangssprachlich „Schreibaby") spricht man, wenn ein Baby über drei Wochen an mehr als drei Tagen pro Woche jeweils länger als drei Stunden schreit und quengelt und sich kaum beruhigen lässt. Siehe auch Koliken.

Der Beruhigungsplan

  1. Grundbedürfnisse prüfen: Hunger? Windel? Zu warm, zu kalt?
  2. Erst Blick und Stimme: Manchmal genügen Blickkontakt, ruhiges Zureden oder sanftes Schaukeln, bevor Sie es hochnehmen.
  3. Nähe: auf dem Arm wiegen, Händchen streicheln, Bauch und Rücken sanft massieren, ein Lied singen.
  4. Tragen im Tuch oder ein Spaziergang.
  5. Eine Methode in Ruhe ausprobieren, nicht alles nacheinander. Hektisches Wechseln überreizt.
  6. Was heute nicht klappt, klappt vielleicht in zwei Wochen: Methoden immer wieder einmal neu versuchen.

Je ruhiger Sie bleiben, desto besser kann sich auch Ihr Baby entspannen. Und: Rasches Trösten ist kein Verwöhnen. Babys, die von Anfang an rasch beruhigt werden, schreien laut kindergesundheit-info.de in den kommenden Wochen meist weniger.

Wenn Sie nicht mehr können: der Notfallplan

Es ist normal, dass Dauerschreien Sie an Ihre Grenzen bringt. Wichtig ist, was Sie dann tun.

Aufklärung wirkt: In einer randomisierten Studie mit über 2 700 Müttern wussten jene, die rund um die Geburt Informationsmaterial über normales Schreien bekommen hatten, später mehr über das Schreien und die Gefahren des Schüttelns und gaben den Rat „weggehen, wenn man frustriert ist" häufiger weiter (Barr und Kollegen, 2009). Erzählen Sie es also allen weiter, die Ihr Baby betreuen.

Wo Sie Hilfe bekommen

WerWofür
Kinderarztpraxiskörperliche Ursachen abklären, wenn Ihr Baby viel schreit, schlecht schläft oder schlecht trinkt
HebammeBeratung zu Hause in den ersten Wochen
SchreiambulanzBeratung speziell für Eltern von Babys, die viel schreien, schlecht schlafen oder schlecht essen; in vielen Orten
Frühe Hilfenkostenlose, freiwillige und vertrauliche Unterstützung bis zum 3. Geburtstag, auch Familienhebammen; über Jugend- oder Gesundheitsamt
Elterntelefon0800 111 0 550, anonym und kostenlos
Notfall112 (in Österreich Rettung 144, in der Schweiz Sanität 144)

Ein weiches Musselintuch ist praktisch zum Zudecken auf dem Arm oder als Spucktuch. Zum Schlafen gilt der Schlafsack, nicht das Tuch: siehe Pucken und Sicherer Babyschlaf.

Ist das normal? Wann zur Kinderärztin?

Ist das normal?

Schreiphasen am Abend, ein Baby, das sich auf dem Arm beruhigt und im Bett wieder weint, und Tage, an denen gar nichts hilft: Das gehört in den ersten drei Monaten für viele Familien dazu, solange Ihr Baby gut trinkt, zunimmt und zwischendurch zufrieden ist.

Gehen Sie frühzeitig zur Kinderarztpraxis, wenn Sie das Schreien nach den ersten Wochen nicht deuten können, wenn Schlaf- oder Fütterprobleme dazukommen, wenn Ihr Baby nach dem dritten Monat noch viel schreit, oder sofort, wenn es schrill oder ungewohnt schreit, Fieber hat, erbricht oder schlapp ist. Nachts: 116 117. Wenn Sie selbst nicht mehr zur Ruhe kommen, traurig oder verzweifelt sind: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, rund um die Uhr.

Für Partner und Partnerin

Für die Partnerin oder den Partner

Lösen Sie ab, bevor die andere Person am Ende ist, nicht erst danach. Ein Satz wie „Ich übernehme jetzt, geh raus" ist mehr wert als jeder Beruhigungstrick. Und sagen Sie allen, die Ihr Baby betreuen, klar: Wenn es nicht aufhört, ablegen und Hilfe holen, nie schütteln.

Was Eltern fragen

Verwöhne ich mein Baby, wenn ich es sofort hochnehme?

Nein. Rasches, einfühlsames Eingehen auf das Schreien verwöhnt nicht, sondern hilft Ihrem Baby, sich selbst regulieren zu lernen. Babys, die von Anfang an rasch beruhigt werden, schreien in den folgenden Wochen meist weniger.

Wann ist mein Baby ein Schreibaby?

Wenn es über mindestens drei Wochen an mehr als drei Tagen pro Woche länger als drei Stunden am Tag schreit oder quengelt und sich kaum beruhigen lässt. Dann ist Beratung in der Kinderarztpraxis oder einer Schreiambulanz sinnvoll.

Warum darf man ein Baby nicht schütteln?

Kopf und Hals eines Babys sind sehr verletzlich. Schon ein kurzes Schütteln kann schwere bleibende Schäden verursachen und sogar zum Tod führen. Lieber das Baby sicher hinlegen und den Raum kurz verlassen.

Wo bekomme ich Hilfe, wenn mein Baby ständig schreit?

Bei Ihrer Kinderarztpraxis, der Hebamme, einer Schreiambulanz und den Frühen Hilfen (über Jugend- oder Gesundheitsamt, freiwillig und kostenlos). Am Telefon: Elterntelefon der Nummer gegen Kummer 0800 111 0 550, anonym und kostenlos.

Quellen

  1. kindergesundheit-info.de (BIÖG) — Ein lautstarkes Signal, Schreien geprüft am 13. Oktober 2026
  2. kindergesundheit-info.de (BIÖG) — Wenn Babys viel schreien geprüft am 13. Oktober 2026
  3. kindergesundheit-info.de (BIÖG) — Was sind Frühe Hilfen? geprüft am 13. Oktober 2026
  4. Nummer gegen Kummer — Elterntelefon (0800 111 0 550) geprüft am 13. Oktober 2026
  5. elternsein.info (NZFH) — Was sind Frühe Hilfen? geprüft am 13. Oktober 2026
  6. TelefonSeelsorge — kostenfrei, anonym, rund um die Uhr (0800 111 0 111, 0800 111 0 222) geprüft am 13. Oktober 2026
  7. Kinder- und Jugendärzte im Netz (BVKJ) — Schreibaby (Regulationsstörung) geprüft am 13. Oktober 2026
  8. Barr R. G. et al. (2009), Pediatrics — Educational materials about crying and shaken-baby syndrome, randomized controlled trial (PMID 19255028) geprüft am 13. Oktober 2026
  9. Wolke D., Bilgin A., Samara M. (2017), Journal of Pediatrics — Fussing and crying durations and prevalence of colic (PMID 28385295) geprüft am 13. Oktober 2026

Mamavela informiert; dieser Ratgeber ersetzt weder Ihre Hebamme noch Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Kinderärztin, die Ihre Situation kennen. Rufen Sie im Zweifel dort an. Im Notfall: 112.

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