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Dreimonatskoliken: wenn Ihr Baby abends untröstlich schreit

Ihr Baby schreit jeden Abend, zieht die Beine an, der Bauch ist hart, und nichts hilft. Das ist zermürbend, aber meist harmlos und vorübergehend. Und es liegt nicht an Ihnen.

Aktualisiert am 13. Oktober 2026 · Quellen geprüft am 13. Oktober 2026

Kurz gesagt

Was früher Dreimonatskoliken hieß, nennen Kinderärzte heute meist Regulationsstörung: Das Baby schreit an mehr als drei Tagen pro Woche über drei Stunden am Tag, mindestens drei Wochen lang, und lässt sich kaum beruhigen. Nur etwa 5 % der viel schreienden Babys haben Magen-Darm-Probleme; die Luft im Bauch ist meist die Folge des Schreiens. Es geht meist nach drei bis sechs Monaten vorüber.

Was hinter „Koliken" steckt

Früher dachte man, Luft im Bauch verursache Bauchschmerzen und damit das Schreien. Heute weiß man laut dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): Die Luft im Bauch ist meist die Folge des Luftschluckens beim Schreien. kindergesundheit-info.de nennt eine Zahl: Nur etwa 5 Prozent der Babys, die viel schreien, haben Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt.

Häufiger steckt etwas anderes dahinter: Das Baby kommt schwer in den Schlaf, bekommt tagsüber zu wenig Ruhe, ist überreizt und findet aus der Erregung allein nicht heraus. Fachleute sprechen deshalb von einer Regulationsstörung: Das Baby hat noch nicht gelernt, sich selbst zu beruhigen. Auch Rauch in der Wohnung kann eine Rolle spielen: Säuglinge in Raucherhaushalten schreien häufiger.

Die 3er-Regel

MerkmalWas gilt
Dauer pro Tagmehr als drei Stunden schreien und quengeln
Häufigkeitan mehr als drei Tagen pro Woche
Zeitraumüber mindestens drei Wochen
Typischspätnachmittags und in der ersten Nachthälfte, Fäuste geballt, Beine angezogen, kaum zu beruhigen
Beginn und Endebeginnt oft mit etwa zwei Wochen, meist auf die ersten drei bis sechs Monate begrenzt

Quelle: BVKJ und kindergesundheit-info.de. Laut BVKJ schreien in Deutschland bis zum 3. Lebensmonat etwa 16 % der Babys exzessiv, zwischen dem 3. und 6. Monat etwa 6 %.

Eine Meta-Analyse von 28 Tagebuchstudien mit 8 690 Babys fand in den ersten sechs Wochen im Mittel knapp zwei Stunden Quengeln und Schreien pro Tag, mit 10 bis 12 Wochen etwa 68 Minuten. Koliken nach den gängigen Kriterien hatten in den ersten sechs Wochen 17 bis 25 % der Babys, mit 8 bis 9 Wochen 11 % und mit 10 bis 12 Wochen nur noch 0,6 % (Wolke und Kollegen, 2017). Es wird also besser, oft schneller, als es sich anfühlt.

Was Sie heute Abend tun können

  1. Erst die Grundbedürfnisse prüfen: Hunger, Windel, zu warm oder zu kalt.
  2. Ruhig bleiben, wenig wechseln: Zureden, Vorsingen, Körperkontakt, sanfte Bauch- und Rückenmassage. Eine Methode lange genug ausprobieren; hektisches Wechseln überreizt.
  3. Reize reduzieren: gedämpftes Licht, leise, kein Besuch.
  4. Umgebung wechseln, wenn Ihr Baby sich „eingeschrien" hat: ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft.
  5. Tragen im Tragetuch kann in den ersten Wochen helfen; achten Sie dabei auf freie Atemwege, siehe Babytrage sicher.
  6. Tagsüber genug Schlaf ermöglichen: Müdigkeitszeichen früh erkennen.
  7. Abwechseln mit Partner, Partnerin oder einer vertrauten Person.

Der BVKJ hält fest, dass eine Bauchmassage beruhigend wirken kann, weil sie das Baby entspannt, Entblähen und Tees dagegen nicht helfen. Spezielle Säuglingsmilch gegen Blähungen oder Koliken sollten Sie laut kindergesundheit-info.de nur nach ärztlicher Rücksprache geben. Geben Sie Ihrem Baby nie Medikamente zur Beruhigung.

Wenn die Nerven nicht mehr reichen

Wenn Sie merken, dass Ihnen das Schreien unerträglich wird: Legen Sie Ihr Baby sicher in sein Bettchen, verlassen Sie kurz den Raum und atmen Sie durch. Schütteln Sie Ihr Baby niemals: Schon kurzes Schütteln kann schwere Schäden verursachen und sogar zum Tod führen. Mehr dazu und Hilfsadressen in Baby schreit.

Ist das normal? Wann zur Kinderärztin?

Ist das normal?

Schreiphasen am späten Nachmittag und Abend, ein aufgeblähter Bauch nach dem Schreien, angezogene Beine und ein Baby, das zwischen den Phasen zufrieden trinkt, zunimmt und munter ist: Das passt zu den typischen Schreiphasen der ersten Monate.

Für Partner und Partnerin

Für die Partnerin oder den Partner

Schreiabende sind Teamarbeit. Verabreden Sie Schichten von zum Beispiel einer Stunde, damit jeder zwischendurch raus kann, Kopfhörer auf, ein paar Minuten an die Luft. Wer gerade Pause hat, verlässt wirklich den Raum.

Was Eltern fragen

Wann hören Dreimonatskoliken auf?

Die Schrei- und Unruheepisoden sind laut kindergesundheit-info.de meist auf die ersten drei bis sechs Lebensmonate begrenzt. In einer großen Auswertung war Koliken-Schreien nach der 9. Lebenswoche schon deutlich seltener.

Helfen Fencheltee, Entblähungstropfen oder Spezialmilch?

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte schreibt, dass Therapien wie Entblähen oder Tees nicht helfen, weil die Luft im Bauch meist Folge des Schreiens ist. Spezialmilch nur nach ärztlicher Rücksprache, und keine Medikamente auf eigene Faust.

Habe ich etwas falsch gemacht?

Nein. Die Ursache für ausgeprägtes Schreien liegt laut kindergesundheit-info.de im Allgemeinen nicht bei den Eltern. Oft spielen Temperament, Schlafmangel und Überreizung des Babys zusammen.

Was ist eine Schreiambulanz?

Eine Beratungsstelle speziell für Eltern von Babys, die sehr viel schreien, schlecht schlafen oder Fütterprobleme haben. Es gibt sie in vielen Orten; Adressen nennt Ihre Kinderarztpraxis, die Hebamme oder die Frühen Hilfen.

Quellen

  1. Kinder- und Jugendärzte im Netz (BVKJ) — Schreibaby (Regulationsstörung, veraltet Dreimonatskoliken) geprüft am 13. Oktober 2026
  2. kindergesundheit-info.de (BIÖG) — Wenn Babys viel schreien geprüft am 13. Oktober 2026
  3. kindergesundheit-info.de (BIÖG) — Ein lautstarkes Signal, Schreien geprüft am 13. Oktober 2026
  4. kindergesundheit-info.de (BIÖG) — Die Verdauung bei Säuglingen (Blähungen, Spezialmilch) geprüft am 13. Oktober 2026
  5. Wolke D., Bilgin A., Samara M. (2017), Journal of Pediatrics — Fussing and crying durations and prevalence of colic in infants, meta-analysis (PMID 28385295) geprüft am 13. Oktober 2026

Mamavela informiert; dieser Ratgeber ersetzt weder Ihre Hebamme noch Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Kinderärztin, die Ihre Situation kennen. Rufen Sie im Zweifel dort an. Im Notfall: 112.

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