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Geburtseinleitung: wenn das Baby auf sich warten lässt

Der Termin ist vorbei, und nichts passiert. Eine Einleitung ist kein Notfall: Meist haben Sie Zeit, sich zu informieren und gemeinsam mit dem Geburtsteam zu entscheiden, ob und wann.

Aktualisiert am 13. Oktober 2026 · Quellen geprüft am 13. Oktober 2026

Kurz gesagt

Nach dem errechneten Termin werden Sie engmaschiger kontrolliert, etwa zweimal pro Woche. Laut deutscher Leitlinie kann ab 41+0 eine Einleitung angeboten werden, ab 41+3 sollte sie empfohlen und ab 42+0 dringend empfohlen werden. Eingeleitet wird mit Eipollösung, Ballonkatheter, Prostaglandinen, Misoprostol oder Wehentropf. Es kann Stunden bis Tage dauern, bis das Kind da ist.

Der Termin ist vorbei: Was jetzt?

Nur etwa 4 Prozent aller Kinder kommen genau am errechneten Termin; die meisten 14 Tage davor bis 14 Tage danach (gesund.bund.de). Im deutschen Sprachraum heißt die Zeit von 40+1 bis 41+6 Terminüberschreitung, ab 42+0 spricht man von Übertragung (AWMF-Leitlinie Geburtseinleitung).

Was in dieser Zeit passiert:

  • Ihr Termin wird noch einmal geprüft, am besten anhand des frühen Ultraschalls.
  • Ab 40+0 sollen laut Leitlinie engmaschigere Kontrollen stattfinden; das IQWiG nennt etwa 2 Kontrolltermine pro Woche, mit CTG und bei Bedarf Ultraschall (Fruchtwassermenge, Wachstum).
  • Sie werden über Vor- und Nachteile einer Einleitung aufgeklärt. Eine Einleitung braucht Ihre Einwilligung.

Nutzen Sie den Geburtstermin-Rechner, wenn Sie Ihre Schwangerschaftswoche nachrechnen möchten.

Was die deutsche Leitlinie empfiehlt

SchwangerschaftswocheEmpfehlung (AWMF 015-088)
Ab 40+0Engmaschigere Kontrollen
Ab 41+0Einleitung kann angeboten werden
Ab 41+3Einleitung sollte empfohlen werden
Ab 42+0Einleitung soll dringend empfohlen werden
Blasensprung ohne WehenEinleitung spätestens nach 24 Stunden empfehlen

Die Leitlinie hat den Stand Dezember 2020; fragen Sie in Ihrer Klinik, nach welchem Schema dort gearbeitet wird. Eine Einleitung ab der 40. Woche ohne medizinischen Grund ist laut IQWiG auf ausdrücklichen Wunsch möglich und sollte gut abgewogen werden.

Was Studien zur Einleitung zeigen

Eine Cochrane-Übersicht mit 34 Studien und über 21 000 Frauen verglich eine Einleitung, meist nach 41 vollendeten Wochen, mit weiterem Abwarten (Middleton und Kollegen, 2020):

  • Weniger Todesfälle rund um die Geburt mit Einleitung, bei insgesamt sehr niedrigen Zahlen: 4 gegenüber 25 Todesfällen in allen Studien zusammen.
  • Etwas weniger Kaiserschnitte mit Einleitung.
  • Gleich häufig Saugglocke oder Zange, und etwa gleich häufig schwere Dammrisse.
  • Weniger Aufnahmen in die Kinderintensivstation.

Das IQWiG fasst ähnliche Daten für Deutschland zusammen: Ob in der 40., 41. oder zu Beginn der 42. Woche eingeleitet wurde, die Kinder waren vergleichbar gesund; bei Einleitung in der 40. Woche kamen 110 von 1000 Kindern per Kaiserschnitt, beim Abwarten bis zur 42. Woche 120 von 1000.

Die Methoden

MethodeWieGut zu wissen
EipollösungHebamme oder Ärztin löst mit 1 bis 2 Fingern die Eihaut im unteren Bereich der GebärmutterUnangenehm, harmlose Blutung möglich; zweimal pro Woche wirkt häufiger als einmal
BallonkatheterDünner Schlauch mit Ballon im Gebärmutterhals, etwa 12 StundenSeltener Überstimulation als mit Dinoproston
Dinoproston (Prostaglandin)Als Gel, Tablette oder Vaginal-InsertMacht den Muttermund weich
MisoprostolTablette zum Schlucken, in der KlinikNur ohne regelmäßige schmerzhafte Wehen
Wehentropf (Oxytocin)InfusionWenn der Muttermund schon weich und offen ist
AmniotomieDie Fruchtblase wird geöffnetNur bei geöffnetem Muttermund

Quelle: gesundheitsinformation.de (IQWiG). Welche Methode passt, hängt davon ab, wie weit der Muttermund ist, ob die Fruchtblase noch steht, ob Sie schon geboren haben und ob Sie einen früheren Kaiserschnitt hatten.

Mögliche Nebenwirkungen

  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Schüttelfrost durch die Medikamente
  • Überstimulation: zu starke, zu häufige Wehen; dann gibt es wehenhemmende Mittel
  • Mehr vaginale Untersuchungen als sonst, CTG-Kabel
  • Selten ein Riss der Gebärmutter: Studien deuten auf bis zu 4 von 1000 Frauen mit medikamentöser Einleitung hin, häufiger nach früherem Kaiserschnitt

Quelle: gesundheitsinformation.de.

Ihre Fragen an die Klinik

Ist das normal? Wann anrufen?

Ist das normal?

Ungeduld, Erschöpfung und das Gefühl, alle fragen „Ist es noch nicht da?", sind nach dem Termin völlig normal. Auch dass eine Einleitung einen oder mehrere Tage dauert, ist häufig.

Für Partner und Partnerin

Für die Partnerin oder den Partner

Eine Einleitung braucht Geduld. Packen Sie für zwei Tage, bringen Sie Ladekabel, Snacks und Beschäftigung mit, und sorgen Sie dafür, dass sie zwischendurch schläft. Fragen Sie mit, wenn etwas unklar ist.

Was Eltern fragen

Ab wann wird eine Geburt eingeleitet?

Nach der deutschen S2k-Leitlinie kann ab 41+0 eine Einleitung angeboten werden, ab 41+3 sollte sie empfohlen und ab 42+0 dringend empfohlen werden. Bei medizinischen Gründen, etwa nach einem Blasensprung ohne Wehen oder bei Präeklampsie, auch früher.

Wie lange dauert eine Einleitung?

Sehr unterschiedlich. Laut IQWiG kann es trotz Einleitung Stunden bis Tage dauern, bis das Kind auf der Welt ist. Viele Frauen sind überrascht, wie lange es dauert.

Kann ich die Geburt selbst anregen?

Für Himbeerblättertee, Nelkenöl, Homöopathie oder Akupunktur gibt es laut IQWiG keine Belege. Ob Sex oder Brustwarzenstimulation helfen, ist unklar. Rizinusöl ist weder auf Sicherheit noch auf Wirksamkeit ausreichend untersucht; besprechen Sie es vorher mit Hebamme oder Ärztin.

Ist eine eingeleitete Geburt schmerzhafter?

Frauen erleben sie sehr unterschiedlich. Medikamente können manchmal zu starke, zu häufige Wehen auslösen; dann gibt es Mittel, die die Wehen wieder dämpfen. Alle Formen der Schmerzlinderung bis zur PDA stehen Ihnen offen.

Quellen

  1. AWMF — S2k-Leitlinie Geburtseinleitung (015-088), Stand Dezember 2020, Addendum März 2021 geprüft am 13. Oktober 2026
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Wenn das Baby auf sich warten lässt, wann die Geburt einleiten? geprüft am 13. Oktober 2026
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Wie lässt sich die Geburt einleiten? geprüft am 13. Oktober 2026
  4. gesund.bund.de — Geburt (Geburtstermin, nur etwa 4 Prozent am errechneten Tag) geprüft am 13. Oktober 2026
  5. NHS — Pre-eclampsia (starke Kopfschmerzen, Sehstörungen) geprüft am 13. Oktober 2026
  6. NHS — Your baby's movements (sofort anrufen, wenn sie nachlassen) geprüft am 13. Oktober 2026
  7. Middleton P. et al. (2020), Cochrane — Induction of labour at or beyond 37 weeks' gestation (PMID 32666584) geprüft am 13. Oktober 2026

Mamavela informiert; dieser Ratgeber ersetzt weder Ihre Hebamme noch Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Kinderärztin, die Ihre Situation kennen. Rufen Sie im Zweifel dort an. Im Notfall: 112.

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