Zum Inhalt
Die Bibliothek · 99 €

Die Geburtsphasen: was wann passiert

Eine Geburt verläuft in Etappen. Wer weiß, in welcher Phase sie gerade ist, kann besser einschätzen, ob sie zu Hause bleibt, wann es in die Klinik geht und warum es am Anfang so lange dauern kann.

Aktualisiert am 13. Oktober 2026 · Quellen geprüft am 13. Oktober 2026

Kurz gesagt

Eine Spontangeburt dauert etwa 4 bis 18 Stunden, beim ersten Kind meist länger. Sie beginnt mit der Latenzphase bis zu einer Muttermundöffnung von 4 bis 6 cm, die Stunden oder Tage dauern kann. Es folgen die aktive Eröffnungsphase bis 10 cm, die Austreibungsphase mit Pressdrang und zuletzt die Nachgeburtsphase, in der die Plazenta geboren wird.

Die Phasen auf einen Blick

PhaseMuttermundWas passiertTypische Dauer
Latenzphase (frühe Eröffnungsphase)Geburtsbeginn bis etwa 4 bis 6 cmMuttermund wird weich und dünn, Wehen werden regelmäßigerStunden bis manchmal Tage (NHS)
Aktive EröffnungsphaseEtwa 4 bis 6 cm bis vollständigRegelmäßige, schmerzhafte Wehen, Muttermund öffnet sich zügigerJe nach Parität etwa 5 bis 12 Stunden (AWMF)
Austrittsphase (Austreibungsphase)Vollständig, etwa 10 cmKind dreht sich und tritt tiefer; erst ohne, dann mit PressdrangSehr unterschiedlich
Nachgeburtsphase–Plazenta löst sich und wird geborenDanach 2 bis 4 Stunden Beobachtung

Quellen: AWMF-Leitlinie 015-083, gesund.bund.de, NHS. Insgesamt dauert eine Spontangeburt laut gesund.bund.de etwa 4 bis 18 Stunden, beim ersten Kind meist länger.

1. Latenzphase: die lange Vorbereitung

In der Latenzphase wird der Muttermund weich und dünn und beginnt sich zu öffnen. Das kann laut NHS Stunden oder manchmal Tage dauern. Meist wird Ihnen geraten, diese Zeit zu Hause zu verbringen; die deutsche Leitlinie empfiehlt, Frauen ohne erhöhtes Risiko in dieser Phase zu ermutigen, wieder nach Hause zu gehen, und ihnen Unterstützung und auf Wunsch Schmerzlinderung anzubieten.

Was Ihnen jetzt hilft:

2. Aktive Eröffnungsphase: jetzt geht es voran

Die aktive Phase beginnt laut Leitlinie bei einer Muttermundöffnung von etwa 4 bis 6 cm und endet, wenn er vollständig geöffnet ist. Die Wehen sind regelmäßig und schmerzhaft; gesund.bund.de beschreibt Eröffnungswehen im Abstand von 3 bis 5 Minuten, manchmal kürzer. Hormone machen das Gewebe weich und dehnbar.

Eine große US-Studie mit über 62 000 Frauen zeigte, dass sich der Muttermund zwischen 4 und 6 cm oft viel langsamer öffnet als früher angenommen und das Tempo erst ab etwa 6 cm deutlich zunimmt (Zhang und Kollegen, 2010). Das ist einer der Gründe, warum heutige Leitlinien die aktive Phase später beginnen lassen. Wenn es bei 4 oder 5 cm „ewig" dauert, ist das oft normal.

Was Ihnen hilft: aufrechte Positionen und Bewegung, Wasser, Massage, Atmung und, wenn Sie möchten, Medikamente bis zur PDA. Siehe Geburtspositionen.

3. Austrittsphase: das Kind kommt

Die Austrittsphase, früher Austreibungsphase genannt, beginnt, wenn der Muttermund vollständig auf etwa 10 cm geöffnet ist. Die Leitlinie unterscheidet zwei Abschnitte:

  • Passive Austrittsphase: Muttermund vollständig offen, (noch) kein Pressdrang. Das Kind tritt tiefer und dreht sich dabei um etwa 90 Grad, um durch das Becken zu passen (gesund.bund.de).
  • Aktive Austrittsphase: Das Kind ist sichtbar und/oder Sie verspüren einen unwillkürlichen Pressdrang.

Kurz bevor der Kopf austritt, kommen die Presswehen mit dem unbedingten Drang, mitzuschieben. Meist wird zuerst der Kopf geboren, mit der nächsten Wehe die Schultern, dann der Rest des Körpers. Die Leitlinie empfiehlt, die Situation erst dann neu zu bewerten, wenn eine Stunde nach vollständiger Muttermundöffnung trotz guter Wehen kein Fortschritt erkennbar ist; fehlender Fortschritt nach einer Stunde ist aber nicht mit einer zu langen Geburt gleichzusetzen.

4. Nachgeburtsphase

Ihr Kind atmet zum ersten Mal, oft schreit es dabei. Die Hebamme legt es Ihnen auf die Brust. Mit den Nachgeburtswehen löst sich die Plazenta und wird auf Vollständigkeit geprüft. Das Saugen an der Brust fördert diesen Vorgang. Danach bleiben Sie 2 bis 4 Stunden unter Beobachtung, weil Blutungen in dieser Zeit am ehesten auftreten (gesund.bund.de).

Ist das normal? Wann anrufen?

Ist das normal?

Eine Latenzphase, die sich über eine Nacht oder länger zieht, Wehen, die zwischendurch schwächer werden, und ein langsamer Fortschritt zwischen 4 und 6 cm sind häufig und meist kein Zeichen, dass etwas nicht stimmt.

Für Partner und Partnerin

Für die Partnerin oder den Partner

In der Latenzphase: für Ruhe sorgen, Essen und Trinken, gemeinsam zählen, nicht zu früh losfahren. In der aktiven Phase: ganz da sein, Position halten, Rücken massieren. In der Pressphase: ermutigen, kühle Tücher reichen, ihre Wünsche ans Team weitergeben.

Was Eltern fragen

Wie lange dauert eine Geburt?

Eine Spontangeburt dauert laut gesund.bund.de etwa 4 bis 18 Stunden, bei Erstgebärenden in der Regel länger als bei Frauen, die schon geboren haben. Die frühe Latenzphase ist dabei oft nicht mitgezählt und kann sich über Stunden oder Tage ziehen.

Was ist die Latenzphase?

Die frühe Eröffnungsphase: vom Geburtsbeginn bis zu einer Muttermundöffnung von etwa 4 bis 6 cm (AWMF-Leitlinie). Der Muttermund wird weich und dünn und beginnt sich zu öffnen. Meist verbringen Frauen diese Zeit zu Hause.

Wie lange dauert die Eröffnungsphase?

Die aktive Eröffnungsphase von etwa 4 bis 6 cm bis zur vollständigen Öffnung kann laut Leitlinie je nach Zahl früherer Geburten zwischen 5 und 12 Stunden dauern.

Was passiert in der Austreibungsphase?

Der Muttermund ist vollständig auf etwa 10 cm geöffnet. Zuerst rutscht das Kind tiefer, oft noch ohne Pressdrang (passive Phase). Dann kommt der Drang, mitzuschieben, und das Kind wird geboren (aktive Phase).

Quellen

  1. gesund.bund.de — Geburt, Abschnitt „Wie läuft eine Spontangeburt ab?" (Dauer, vier Phasen) geprüft am 13. Oktober 2026
  2. AWMF — S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin (015-083), Definitionen 7.11, 7.28, 8.1, 8.2 geprüft am 13. Oktober 2026
  3. NHS — Signs that labour has begun (latent phase) geprüft am 13. Oktober 2026
  4. Zhang J. et al. (2010), Obstetrics & Gynecology — Contemporary patterns of spontaneous labor with normal neonatal outcomes (PMID 21099592) geprüft am 13. Oktober 2026
  5. NHS — Your baby's movements (sofort anrufen, wenn sie nachlassen) geprüft am 13. Oktober 2026

Mamavela informiert; dieser Ratgeber ersetzt weder Ihre Hebamme noch Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Kinderärztin, die Ihre Situation kennen. Rufen Sie im Zweifel dort an. Im Notfall: 112.

Weiterlesen