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Medikamente in der Schwangerschaft: sicher entscheiden, gut beraten

Die kurze Antwort von gesund.bund.de: auf alle Medikamente verzichten, auf die man ohne Folgen für die Mutter verzichten kann. Die lange Antwort: Viele Beschwerden lassen sich auch in der Schwangerschaft gut und sicher behandeln.

Aktualisiert am 13. Oktober 2026 · Quellen geprüft am 13. Oktober 2026

Kurz gesagt

Nehmen Sie in der Schwangerschaft Medikamente nur nach Rücksprache mit Ärztin, Hebamme oder Apotheke, auch rezeptfreie und pflanzliche. Paracetamol gilt laut Embryotox bei Schmerzen und Fieber in jeder Phase als Mittel der Wahl, aber nicht tagelang ohne ärztlichen Rat. Ibuprofen ist nur im ersten und zweiten Drittel möglich, ab der 28. Woche nicht. Dauermedikamente setzen Sie nie eigenmächtig ab.

Die Grundregel

Viele Wirkstoffe gelangen über die Plazenta zum Ungeborenen, andere beeinflussen die Durchblutung der Mutter und damit die Versorgung des Kindes (gesund.bund.de). Gleichzeitig sind unbehandelte Erkrankungen der Mutter oft selbst ein Risiko. Darum gilt:

Aus ethischen Gründen gibt es kaum Medikamentenstudien mit Schwangeren; viel Wissen stammt aus langjähriger Erfahrung in der Praxis. Bei neuen Medikamenten ist das Risiko deshalb oft schwer zu beurteilen (familienplanung.de). Für viele Erkrankungen gibt es aber erprobte Alternativen.

Wo Sie verlässlich nachlesen

Embryotox ist das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité in Berlin. Es bewertet Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Laut gesund.bund.de finden Sie dort Informationen zu mehr als 400 Medikamenten. Die Beratung für Schwangere ist kostenlos, per Telefon oder Online-Fragebogen. Ein zweites Angebot ist Reprotox am Universitätsklinikum Ulm (familienplanung.de).

Schmerzen und Fieber: Paracetamol und Ibuprofen

Wirkstoff1. Drittel2. Drittel3. Drittel (ab 28. SSW)Laut Embryotox
ParacetamolmöglichmöglichmöglichMittel der Wahl bei Schmerzen und Fieber; nicht tagelang ohne ärztlichen Rat
Ibuprofenmöglichmöglich, Vorsicht bei längerer Einnahmenicht anwendenNeben Paracetamol Mittel der Wahl in den ersten zwei Dritteln

Die Dosierung, also wie viel und wie lange, legt immer Ihre Ärztin oder die Apotheke fest. Diese Seite nennt bewusst keine Mengen.

Was ist mit Paracetamol und ADHS oder Autismus?

Diese Diskussion verunsichert viele. Embryotox ordnet sie so ein: Einige Beobachtungsstudien fanden Zusammenhänge mit ADHS und Autismus, sie sind aber kritisch zu sehen. Andere Ursachen wie Genetik und Familie wurden oft nur unvollständig erfasst, die Effekte waren grenzwertig, und ähnliche „Risiken“ fanden sich sogar, wenn der Vater Paracetamol nahm. Aktuelle Studien, die diese Faktoren berücksichtigen, bestätigen keinen ursächlichen Zusammenhang.

Ein Beispiel: Eine schwedische Studie mit 2.480.797 Kindern verglich Geschwister, von denen eines in der Schwangerschaft Paracetamol „abbekommen“ hatte und das andere nicht. Im Geschwistervergleich zeigte sich kein Zusammenhang mit Autismus, ADHS oder geistiger Behinderung (Ahlqvist et al., 2024). Fazit von Embryotox: Paracetamol nicht leichtfertig nehmen, aber bei klarer Indikation bleibt es ein Mittel der Wahl.

Häufige Situationen

BeschwerdeWas laut offiziellen Quellen giltMehr dazu
Erkältung, verstopfte NaseAbschwellende Nasensprays mit Xylometazolin oder Oxymetazolin nur kurz und in normaler Dosierung; besser Salzlösung oder Kamille (gesund.bund.de)–
SodbrennenAntazida gelten laut Embryotox als Mittel der Wahl, kurzzeitigSodbrennen
ÜbelkeitEs gibt Medikamente; Auswahl immer ärztlichÜbelkeit
SchlafproblemeSchlaf- und Beruhigungsmittel, auch pflanzliche, nur nach ärztlichem Rat; manche enthalten AlkoholSchlafen
VerstopfungDie meisten Abführmittel sind nicht empfohlen, Einläufe ungeeignet; erst Ernährung, Bewegung und Trinken (gesund.bund.de)–
Chronische ErkrankungNicht absetzen, mit der Praxis eine verträgliche Behandlung planen–

Impfungen sind keine Ausnahme, sondern Schutz

Totimpfstoffe sind in der Schwangerschaft erlaubt, einige empfiehlt die STIKO ausdrücklich: Grippe ab dem zweiten Drittel in der Grippesaison, Keuchhusten zu Beginn des letzten Drittels. Lebendimpfstoffe wie gegen Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken werden in der Schwangerschaft nicht gegeben (gesund.bund.de).

Für Partner und Partnerin

Halten Sie die Medikamentenliste aktuell, gehen Sie mit in die Apotheke und fragen Sie dort nach, wenn sie krank im Bett liegt. Und: Keine Mittel aus der eigenen Hausapotheke anbieten, ohne vorher zu fragen.

Ist das normal? Wann anrufen?

Ist das normal?

Sich um jede Tablette Sorgen zu machen, ist verständlich. Viele Schwangere nehmen Medikamente ein, und mit guter Beratung lässt sich fast immer eine passende Lösung finden.

Was Eltern fragen

Darf ich in der Schwangerschaft Paracetamol nehmen?

Laut Embryotox gehört Paracetamol bei behandlungsbedürftigen Schmerzen und hohem Fieber in jeder Phase der Schwangerschaft zu den Mitteln der Wahl. Es soll aber nicht unkritisch und ohne ärztlichen Rat tagelang oder über Wochen genommen werden. Wie viel und wie lange, klären Sie mit Praxis oder Apotheke.

Macht Paracetamol in der Schwangerschaft ADHS oder Autismus?

Diese Frage wird viel diskutiert. Embryotox bewertet die Studien kritisch, und eine große schwedische Geschwisterstudie mit fast 2,5 Millionen Kindern fand keinen Zusammenhang. Eine klare Indikation bleibt ein guter Grund, Paracetamol zu nehmen; ohne Grund nimmt man es ohnehin nicht.

Warum ist Ibuprofen ab der 28. Woche verboten?

Wirkstoffe wie Ibuprofen können beim Ungeborenen eine wichtige Gefäßverbindung im Kreislauf (Ductus arteriosus) vorzeitig verschließen und die Nierenfunktion stören. Dieses Risiko ist laut Embryotox nach der 28. Woche gut dokumentiert. Auch ab der Mitte des zweiten Drittels gibt es Fallberichte, besonders bei längerer Einnahme.

Ich habe ein Medikament genommen, bevor ich wusste, dass ich schwanger bin.

Das passiert sehr oft. Setzen Sie Dauermedikamente nicht eigenmächtig ab und sprechen Sie mit Ihrer Ärztin. Embryotox berät Schwangere kostenlos zu konkreten Medikamenten, auch telefonisch oder per Online-Fragebogen.

Quellen

  1. gesund.bund.de — Schwangerschaft: Was ist erlaubt? (Medikamente) geprüft am 13. Oktober 2026
  2. familienplanung.de (BIÖG) — Medikamente in der Schwangerschaft geprüft am 13. Oktober 2026
  3. Embryotox (Charité Berlin) — Paracetamol in Schwangerschaft und Stillzeit geprüft am 13. Oktober 2026
  4. Embryotox (Charité Berlin) — Ibuprofen in Schwangerschaft und Stillzeit geprüft am 13. Oktober 2026
  5. Embryotox (Charité Berlin) — Startseite und kostenlose Beratung geprüft am 13. Oktober 2026
  6. Netzwerk Gesund ins Leben — Gesund leben in der Schwangerschaft (Medikamente nach Rücksprache) geprüft am 13. Oktober 2026
  7. gesund.bund.de — Schwangerschaft: Anzeichen und Beschwerden (Verstopfung, Abführmittel) geprüft am 13. Oktober 2026
  8. Ahlqvist VH et al. (2024), JAMA — Acetaminophen use during pregnancy and children's risk of autism, ADHD, and intellectual disability (PMID 38592388) geprüft am 13. Oktober 2026

Mamavela informiert; dieser Ratgeber ersetzt weder Ihre Hebamme noch Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Kinderärztin, die Ihre Situation kennen. Rufen Sie im Zweifel dort an. Im Notfall: 112.

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