Bildschirmzeit bei Kleinkindern: was die Leitlinie empfiehlt
Das Tablet beim Kochen, die Serie im Wartezimmer: Bildschirme sind praktisch. Die deutschen Kinderärztinnen und Kinderärzte empfehlen trotzdem eine klare Linie, und es gibt gute Wege, sie im Alltag zu halten.
Aktualisiert am 13. Oktober 2026 · Quellen geprüft am 13. Oktober 2026
Kurz gesagt
Die deutsche S2k-Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs empfiehlt unter drei Jahren keine Bildschirmmedien und zwischen drei und sechs Jahren höchstens 30 Minuten pro Tag, Fernsehen, Tablet, Handy und Konsole zusammengerechnet. Inhalte gemeinsam auswählen und begleiten, keine Bildschirme beim Essen und in der Stunde vor dem Schlafen, keine Geräte im Kinderzimmer.
Die Empfehlungen nach Alter
Die medizinischen Fachgesellschaften haben 2023 unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin eine Leitlinie veröffentlicht (AWMF-Register 027-075). kindergesundheit-info.de fasst ihre Empfehlungen so zusammen:
| Alter | Empfehlung |
|---|---|
| unter 3 Jahren | keine Bildschirmmedien |
| 3 bis 6 Jahre | höchstens 30 Minuten pro Tag |
| 6 bis 9 Jahre | höchstens 30 bis 45 Minuten pro Tag; keine eigene Spielekonsole, kein eigenes Handy oder Smartphone vor 9 Jahren |
| 9 bis 12 Jahre | höchstens 45 bis 60 Minuten pro Tag; keine unbeaufsichtigte Internetnutzung vor 12 Jahren |
Gemeint ist alles mit Bildschirm: Fernsehen, Videos, Tablet, Smartphone, Spielekonsole und Computer, zusammengerechnet.
Warum die Linie so streng ist
Kleinkinder lernen mit dem ganzen Körper: anfassen, ausprobieren, sprechen, mit Menschen, die auf sie reagieren. Jede Stunde vor dem Bildschirm fehlt für Spiel, Bewegung, Gespräch und Schlaf. Eine kanadische Langzeitstudie mit fast 2 500 Kindern fand, dass mehr Bildschirmzeit mit zwei und drei Jahren mit schlechteren Ergebnissen in späteren Entwicklungstests (mit drei und fünf Jahren) verbunden war, und nicht umgekehrt (Madigan und Kollegen, 2019). Das ist eine Beobachtungsstudie und kein Beweis, dass jedes Video schadet, aber sie stützt die Vorsicht der Leitlinie.
Wenn Bildschirm, dann so
Ab drei Jahren und in Ausnahmesituationen:
- Gemeinsam auswählen und begleiten: kurze, ruhige, altersgerechte Sendungen statt endloser Videos mit automatischer Wiedergabe.
- Darüber sprechen: Was hast du gesehen? Wie fand die Figur das?
- Feste Zeit, festes Ende: eine Folge, dann ist Schluss, angekündigt vorher.
- Keine Bildschirme beim Essen: Abgelenkte Kinder merken nicht, was und wie viel sie essen.
- Keine Bildschirme in der Stunde vor dem Schlafen und keine Geräte im Kinderzimmer.
- Nicht als Belohnung oder Beruhigung einsetzen, sonst wird der Bildschirm zur einzigen Strategie bei Langeweile oder Wut.
Alltag ohne Tablet: Ideen für die schwierigen Momente
| Situation | Statt Bildschirm |
|---|---|
| Sie kochen | Kind darf mithelfen: Gemüse waschen, rühren; oder eine Schublade mit Töpfen und Dosen |
| Wartezimmer, Restaurant | kleines Malset, Sticker, zwei Bilderbücher, „Ich sehe was, was du nicht siehst" |
| Lange Autofahrt | Hörgeschichten und Lieder, Kuscheltier, Pausen zum Toben |
| Sie brauchen 20 Minuten Ruhe | eine feste „Spielkiste" mit Bausteinen, Knete oder Puzzle, die es nur dann gibt |
| Krankes Kind auf dem Sofa | Vorlesen, Hörspiel, Bücher anschauen |
Familien-Medienregeln zum Ausdrucken
Ist das normal? Wann Hilfe holen?
Ist das normal?
Dass Ihr Kind nach dem Ausschalten protestiert, ist völlig normal. Ein angekündigtes Ende und ein klarer Anschluss („Jetzt gehen wir in die Badewanne") machen es leichter. Nach einigen Tagen mit neuen Regeln gewöhnen sich die meisten Kinder um.
Für Partner und Partnerin
Für die Partnerin oder den Partner
Kinder machen nach, was sie sehen. Die wirksamste Regel ist eine, die auch für die Erwachsenen gilt: Handy weg beim Essen und beim Spielen mit dem Kind. Sprechen Sie ab, wer in den kritischen Momenten des Tages (Kochen, Telefonate) das Kind übernimmt, damit der Bildschirm nicht zur Notlösung wird.
Was Eltern fragen
Darf mein Zweijähriges mit den Großeltern videotelefonieren?
Die Leitlinie empfiehlt unter drei Jahren keine Bildschirmmedien. Viele Familien machen beim gemeinsamen Videotelefonat mit Oma und Opa eine bewusste Ausnahme, kurz und mit einem Erwachsenen daneben. Wichtig ist, dass es kein Dauerprogramm wird.
Zählt ein Lernspiel auf dem Tablet auch?
Ja. Die Empfehlung gilt für alle Bildschirmmedien zusammen, also Fernsehen, Videos, Spiele und Apps, auch wenn sie als lehrreich beworben werden.
Was mache ich im Restaurant oder auf langen Autofahrten?
Planen Sie Alternativen ein, zum Beispiel ein kleines Malset, Bücher, Hörgeschichten oder Spiele wie „Ich sehe was, was du nicht siehst". Hörspiele ohne Bildschirm sind für viele Familien die einfachste Lösung.
Ab wann ein eigenes Smartphone?
Die Leitlinie empfiehlt keine eigene Spielekonsole und kein eigenes Handy oder Smartphone vor neun Jahren.
Quellen
- kindergesundheit-info.de (BIÖG) — Medienerziehung, Empfehlungen nach Alter geprüft am 13. Oktober 2026
- AWMF-Register 027-075 — S2k-Leitlinie Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend geprüft am 13. Oktober 2026
- Kinder- und Jugendärzte im Netz (BVKJ) — Empfehlungen zum Bildschirmmediengebrauch geprüft am 13. Oktober 2026
- kindergesundheit-info.de (BIÖG) — Spielen von 3 bis 6 Jahren geprüft am 13. Oktober 2026
- Madigan S. et al. (2019), JAMA Pediatrics — Association Between Screen Time and Children's Performance on a Developmental Screening Test (PMID 30688984) geprüft am 13. Oktober 2026
Mamavela informiert; dieser Ratgeber ersetzt weder Ihre Hebamme noch Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Kinderärztin, die Ihre Situation kennen. Rufen Sie im Zweifel dort an. Im Notfall: 112.